Mit Babies gebärden (Gebärdensprache)

Zunächst hört sich das bestimmt etwas seltsam an: Babies die Gebärdensprache beibringen?

So ähnlich haben wir auch gedacht, als wir in Wartestimmung auf unsere Tochter einen Beitrag im Fernsehen verfolgten. Das Thema war ein neues Buch der Pädagogin Wiebke Gericke: babySignal – Mit den Händen sprechen (Spielerisch Kommunizieren mit den Kleinsten) [1]. In ihrem Buch beschreibt Frau Gericke ihre Erfahrungen aus ihrer “Tätigkeit in der sprachlichen Frühförderung mit [..] hörenden Kindern gehörloser Eltern”. Da sich die gehörlosen Eltern verständlicherweise der Gebärdensprache bedienen (müssen), um mit ihren Kinden zu kommunizieren, übernehmen auch diese Kinder die Gebärden. Über Ihre eigene Tochter als Beispiel aufgeführt, schreibt sie, daß die Kleine mit 8 Monaten anfing selbst die ersten Gebärden zu zeigen und sich darüber mitzuteilen. In diesem Alter können Babies noch nicht sprechen und Eltern haben daher zumeist zu Raten, wenn es um die Wünsche der Kleinsten geht. Häufig durften auch wir schon beobachten, daß dieses Raten-Müssen des öfteren zu unnötigen Anspannungen führt. Also entschieden wir uns noch vor der Geburt unserer Kleinen das Buch von Wiebke Gericke zu kaufen. Heute möchten wir von unsere Erfahrungen berichten.

Direkt nach der Geburt unserer Tochter haben wir damit begonnen einfache Dinge nicht nur zu sprechen, sondern immer auch mit einer Gebärde zu verbinden. So etwa die Begriffe “Hallo”, “Tschüss” und “Warte”. Natürlich haben wir damals nicht damit gerechnet, daß die Kleine unsere Gebärden versteht oder gar antwortet. Aber Babies saugen ja bekanntlich alles auf, was in ihrer Umgebung so geschieht, um es früher oder später nachzuahmen. Und tatsächlich ließ es nicht lange auf sich warten und die Kleine fing an unser Winken zur Begrüßung zu erwidern. Damals war für uns allerdings noch nicht klar, ob sie wirklich auf unsere Gebärden als solches reagierte. Aber wir nahmen diese erste Reaktion als Anlaß einfach weiter zu gebärden, egal ob sie darauf eingeht oder nicht.

Mittlerweile kann die Kleine laufen, schaut begeistert Bildebücher an, singt mit Mami, tanzt dazu oder geht auf dem Spielplatz Schaukeln und Rutschen. Sie will morgens zum Frühstück ihre Milch, ißt Mittags Brot mit Wurst und Käse, und legt sich anschließend für ein Mittagsschläfchen nochmal ins Bett. Für all dies kennt sie passende Gebärden, die wir ihr regelmäßig gezeigt haben. Selbstredend, daß sie Bitte und Danke sagt äh zeigt. Das mit dem Sprechen klappt natürlich noch nicht fließend. Aber dank der Gebärden kann uns unsere Tochter zeigen, was sie gerne möchte. Minutenlange Kreischkonzerte gibt es bei uns daher in aller Regel nicht. Ihre Gebärden sind zwar selten exakt, aber sie erleichtern das Erraten ihrer Wünsche gegenüber undefinierbarem Gebrabbel doch sehr deutlich.

Diese durchweg positiven Erfahrungen mit dem Einsatz der Gebärdensprache mit einem Baby haben uns bestätigt. Wir können nur alle werdenden und jungen Eltern ermutigen es auch zu versuchen. Im schlimmsten Fall reagiert euer Baby einfach nicht auf die Handzeichen. Die gesprochene Sprache sollen die Gebärden ja auch nicht ersetzen. Wir jedenfalls gehen nun noch einen Schritt weiter und versuchen alle unsere Sätze vollständig mit Gebärden zu untermalen. Dazu gibt es sogar im Internet frei zugänglich ein paar Seiten über die Deutsche Gebärdensprache (DGS). So findet sich auf einer Unterseite der Uni Hamburg ein Gebärden-Wörterbuch [2]. Olaf Fritsche berichtet auf seiner Website über seine Erfahrungen als Hörender mit der Gebärdensprache und bietet einen bebilderten Online-Schnupperkurs [3]. Ergänzend sind wir aber schon auf der Suche nach einem weiteren Buch, um unser händisches Ausdrucksvermögen zu erweitern. Buchempfehlungen werden wir ergänzen, sobald wir uns für passende Literatur entschieden haben.

[1] http://www.babysignal.de/
[2] http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/alex/index.html
[3] http://www.visuelles-denken.de/Schnupperkurs1.html

Letzte Änderung: 24. Oktober 2010